Der weltweite Erfolg der luxemburgischen Rosen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ermöglichte es, dass die auf den Feldern der Stadt Luxemburg und ihrer Umgebung angebauten Rosen in die ganze Welt exportiert wurden. Jedes Jahr verließen zwischen 6 und 8 Millionen Pflanzen die luxemburgischen Rosengärten, um unter anderem in den fürstlichen, königlichen und präsidialen Parks zu blühen. Viele Rosensorten der damaligen Zeit trugen die Namen von Kronprinzen, Staatsoberhäuptern, Prominenten des öffentlichen Lebens sowie von Mitgliedern der Rosenfamilien.
Man kann die Geschichte der Rosen in Luxemburg nicht erwähnen, ohne den Namen von Pierre Joseph Redouté (1759-1840) zu nennen. Geboren in Saint-Hubert in den Ardennen, einer Region, die bis 1815 zum Herzogtum Luxemburg und bis 1839 zum Großherzogtum Luxemburg gehörte, wurde dieser botanische Maler besonders berühmt für seine Gravuren und Aquarelle von Rosen. Die Begeisterung der Kaiserin Joséphine Bonaparte für die Rosen und ihre Dauerhaftigkeit in der Kunst, dank Pierre-Joseph Redouté, gab dem Beruf des Rosenzüchters einen wichtigen Aufschwung.
Der Gartenbaubetrieb Augustin Wilhelm (Wilhelm'schen Kunstgärtnerei-Anstalt) kann als Wiege des luxemburgischen Gartenbaus angesehen werden. Bereits um 1839 waren in Luxemburg über 200 Rosensorten bekannt. Viele dieser aus dem Ausland stammenden Rosen wurden in den Baumschulen von Augustin Wilhelm, deren Hauptsitz sich im 'Clausener Bierg' befand, angebaut. Die weitläufigen Grundstücke des Gartenbaubetriebs erstreckten sich bis zu den Hochebenen von Fetschenhaff, Cents und Sandweiler, wo vor allem Obstbäume und Rosen angebaut wurden. Augustin Wilhelm, von 1873 bis 1914 Präsident der Bruderschaft Saint-Fiacre in Luxemburg, war Gründungsvorsitzender der Harmonie de Clausen, Kommandant der Feuerwehr von Clausen, Gründungsmitglied der 'Société d'Horticulture' sowie Mitglied des Gemeinderats der Stadt Luxemburg von 1845 bis 1863. Bereits zu seinen Lebzeiten übernahmen seine Kinder Auguste und Eugénie den Betrieb, der inzwischen mehr als 100 Arbeiter beschäftigte und ein ausgezeichneter Ausbildungsplatz war für den Beruf des Gärtners.
Die bekanntesten luxemburgischen Rosenzüchter waren Soupert & Notting, Ketten Frères sowie Gemen & Bourg. Ihre Unternehmen hatten ihren Sitz auf dem Limpertsberg (Luxemburg-Stadt).
Die luxemburgischen Rosenzüchter waren sowohl Gärtner als auch Unternehmer - und als solche wichtige Arbeitgeber. In der Tat war eine beträchtliche Arbeitskraft erforderlich, um ihre Felder zu bewirtschaften, deren Fläche insgesamt 100 Hektar erreichen konnte. Vom Limpertsberg und dem 'Bommelbierg' erstreckten sich die Rosenfelder von Dommeldange entlang der Alzette bis nach Ettelbruck. Andere Gärtner hatten sich außerhalb von Luxemburg-Stadt niedergelassen, darunter Alfred Lamesch, Kinzelé, Becker, Lehnen, Huss, Ady und Léon Reuter, Mich Steinmetz, die Brüder Ueberecken, Pierre Meisch in Schieren, Thill Frères in Ettelbruck und andere.
Da die Züchtung, die Vermehrung und der Versand von Rosen einen bedeutenden nationalen wirtschaftlichen Faktor darstellten, beschäftigten die Rosenzüchter in den Spitzenzeiten, insbesondere beim Erstellen und Versand der Bestellungen, fast tausend Arbeiter. Das Engagement der Pioniere der luxemburgischen Rosenindustrie hat Luxemburg einen großen Bekanntheitsgrad und hohe Einnahmen beschert.
Die luxemburgischen Rosenzüchter blieben nicht zu Hause. Sie nahmen an internationalen Rosenwettbewerben teil und begaben sich auf weite Reisen, um die Pflanzungen ihrer Rosen zu überwachen. Die Ketten-Brüder leiteten die Anpflanzungen in den Parks des Zaren in St. Petersburg. Auf Einladung des brasilianischen Kaisers pflanzte Jean Soupert luxemburgische Rosen im Stadtpark von Rio de Janeiro. Die luxemburgischen Sorten waren besonders wegen ihrer Widerstandsfähigkeit und Kältebeständigkeit beliebt.
Die beiden Weltkriege haben nicht nur Millionen von Menschen das Leben gekostet, sondern auch die Existenz vieler Arbeitgeber gefährdet. Abgeschnitten von Frankreich, seinem wichtigsten Markt für den Export der Rosen, und konfrontiert mit Beschränkungen in Belgien, mit kostspieligen Exportlizenzen, die von England verlangt wurden, mit der Einführung strenger Pflanzenschutzmaßnahmen, mit der großen Rezession im Jahr 1929, sowie der Abwesenheit von Nachfolgern, um das Familienunternehmen zu übernehmen, erlitt der Sektor der Rosenzüchter im Großherzogtum einen unumkehrbaren Niedergang.
Im Jahr 1939 wurden von den 100 Hektar nur noch 10,5 Hektar bewirtschaftet, eine Fläche, die während des Zweiten Weltkrieges weiter abnahm (1989: 1 Hektar). Die 'Prince Henri'-Rose, die 1962 von Justin Kohl, dem damaligen Direktor der luxemburgischen Eisenbahn (CFL) und großen Liebhaber von Rosen, kreiert wurde, gilt als die letzte 'Made in Luxembourg'-Rose.
Nach Jahrzehnten, in denen die Rosenvergangenheit Luxemburgs in Vergessenheit geraten war, haben sich zwei Vereine der Herausforderung gestellt, die luxemburgische Rose aus der Vergessenheit zu holen: Rousefrënn-Association Grand-Ducale des Amis de la Rose und Patrimoine Roses Luxembourg asbl. Durch die Förderung des Pflanzens alter und zeitgenössischer luxemburgischer Rosen, durch Investitionen in neue Rosenkreationen bei ausländischen Züchtern, die nach nationalen Persönlichkeiten oder Ereignissen benannt sind, und durch die Schaffung öffentlicher Rosengärten, hat das luxemburgische Rosenerbe an Aktualität gewonnen hat.
Quellen: Bicentenaire Confrérie Saint-Fiacre, Luxembourg (Carlo Conter) 2008, Ons Stad Nr 18 (Evy Friedrich) 1985, Ons Stad Nr 85 (Carlo Conter, Claude Vion) 2007, Ons Stad Nr 103 (Claudine Als) 2013, Archive Annette Block-Claude Vion, Archives Nicole Trossen-Gilson, Industrie.lu
Zwei Jugendliche, Jean Soupert aus Dommeldingen und Pierre Notting aus Bollendorf lernten bei Augustin Wilhelm den Beruf des Rosengärtners. Als geschickte Arbeiter und Händler nahmen sie die Herausforderung an, 1855 das erste luxemburgische Unternehmen zu gründen, das Rosen züchtete und exportierte.
Die 1856 gegründeten 'Banque Internationale' und 'Caisse d'Epargne de l'Etat' sowie der Ausbau des nationalen Eisenbahnnetzes haben sicherlich die Kommunikation und den Transport ihrer Pflanzen erleichtert.
Die ersten kommerzialisierten luxemburgischen Rosen mit den Namen 'Tour de Malakoff' (1856), 'La Noblesse' (1856) und 'Duc de Costantine' (1857) sind noch heute in den Katalogen zu finden. Bis heute konnten rund 270 Rosenkreationen, signiert von 'Soupert & Notting', in alten Katalogen gefunden werden. Das Haus Soupert & Notting konnte sich damit rühmen, den Titel eines Lieferanten des Grafen von Flandern, des Kaiserhauses von Brasilien und mehrerer königlicher Höfe zu tragen : Luxemburg, Niederlanden, Italien und Schweden.
Bei internationalen und nationalen Ausstellungen, an denen das Haus Soupert & Notting teilnahm, gewann es zahlreiche Medaillen, Trophäen und Diplome, die die Qualität ihrer Rosen bezeugen. Die Rosenzüchterkollegen nannten Jean Soupert den 'König der Rose'.
Ihre letzte Rose, die 1938 gezüchtet wurde und die zweifellos eine der berühmtesten ist, die 'Grande-Duchesse Charlotte', wurde 1939 auf der landwirtschaftlichen Ausstellung in Diekirch präsentiert, um den 100. Jahrestag der Unabhängigkeit des Großherzogtums zu feiern. Der renomierte Rosenzüchter Robert Pyle aus Pennsylvania erwarb die Vermehrungsrechte der Rose 'Grand-Duchesse Charlotte' für den amerikanischen Markt. Geschützt vor den deutschen Invasoren kannte sie in den USA einen großen Erfolg und konnte nach dem Krieg zurückgebracht werden.
Die langfristige Erhaltung des außergewöhnlichen kulturellen und natürlichen Erbes der alten und neuen Rosen Luxemburgs ist wichtig. Dies kann nicht ohne solidarische Unterstützung geschehen.
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